Wieso zur Hölle…

…schreibe ich so viel über Liebe!? Es schockiert mich doch ein bisschen, wenn ich so meine Tag-Wolke betrachte und die herausstechenden Schlagwörter „Liebe“ und „scheisse“ sind… Wie kommt’s, dass ich so viel über dieses Thema schreibe, von dem ich immer behauptet hätte, es sei das schrecklichste Ding, das man in der Literatur thematieseren kann… Gut, ich schreibe auch keine Geschichten darüber, ich schreibe einfach so meine Gedanken auf. Trotzdem. Es ist grässlich. Dennis hat mich kaputt gemacht. Ich schreibe zu viel über Schmalz und Kitsch, grässlich, grässlich, bah, bah…

Und wieso zur Hölle war ich fast das ganze Wochenende zu Hause ohne etwas konstruktives zu tun!? Ich hätte genug Schulsachen zu tun gehabt, aber ich hab es, einmal mehr, nicht geschafft, mich richtig dahinterzuklemmen. Geht nicht, funzt nicht, keine Ahnung wieso. Ich sollte jetzt noch dringend Lateinwörtchen lernen und noch etwas Gitarre spielen, aber es ist doch schon so spät und ich will doch bloss schlafen gehn…

Nonetheless war das Wochenende gemütlich. (Wieso zur Hölle  benutze ich plötzlich so oft englische Sub- Und Konjunktionen? Mir fällt das deutsche Wort nicht ein…) Am Freitag war ich doch tatsächlich an einer House-Party! Ein Typ aus meiner Klasse ist 18 geworden. Das war schon fast Pflicht. War jedenfalls echt lustig, mal so mit den Leuten aus der Klasse ein bisschen zu feiern… So unter der Woche hat man doch viel zu selten gute Laune, da kann ja keine gescheite Beziehung zueinander entstehen.

Am Samstag dann war schon wieder so eine Art Schulausflug angesagt… Ich wollte eigentlich bloss Hamlet in der Mausefalle schauen gehn, da kam raus dass mein Deutschlehrer am gleichen Abend hingeht wie ich, und hat dann gefragt ob ich vorher noch mitkäme zum Pizzaessen. Anstatt dass ich mit meiner normalen Begleitung einfach zu der Pizzagesellschaft dazugestossen wäre, war ich dann schlussendlich, bedingt durch einen Platten der Kollegin, mit ihnen dort; einigen Viertmarlern, meinem Deutschlehrer samt Freundin, meiner DIrektorin und noch irgendeiner anderen Lehrerin oder Sekretärin oder wasweissich was das ist… Irgendwie beängstigt mich im hinterher der Gedanke, dass ich mit meiner Schuldirektorin essen war.
Der Hamlet war sehr gut, und schlecht. Leider. Sehr gut war die doch sehr moderne Umsetzung, unter anderem mit der Idee, vier verschiedene Hamlets zu bringen, in Form von vier verschiedenen Schauspielern die Hamlet jeder anders interpretierten; toll war die Kulisse, eine Stellwand mit eigentlich fünf Wänden, drei Weissen und zwei durchsichtigen Plexiglasdringern, immer abwechselnd hingestellt und verstellbar, sodass man das Konstrukt je nach Szene bequem verstellen konnte. Sehr gut waren fast immer fast alle Hamlets, wobei natürlich Leonardo der beste, nein, perfekt, war, ich liebe den Typen, Bewunderung pur… Sehr  gut war die Art, wie sie den Geist des Vaters darstellten; die jeweils drei anderen Hamlets, die dann eben nicht Hamlet spielte, stellten sich zusammen, und bewegten sich und sprachen synchron, was dann den Eindruck von so einer verstellten, mehrstimmigen Stimme vermittelte, kam echt gut rüber; genial gemacht war die Schlussszene, der Fechtkampf mit Laertes, der Tod der Königin, des Königs, des Laertes und dann eben des Hamlet… Gespielt von Leo natürlich, er ist soo schön gestorben, ich bin selbst fast mitgestorben, die Szene hat’s echt gebracht.
Leider hatte es doch auch einige Schwächen; so gab es Schauspieler, bei denen man zeitweise oder gar immer doch relativ gut merkte, dass es Laienschauspieler sind, was dann doch schade ist, wenn man nebenbei solche hat, die es so gut wie Profis machen. Auch hatte es gewisse Längen, und leider, leider war Orphelia anfangs etwas enttäuschend. Erstens war sie nicht hübsch, und das störte mich dann schon etwas; Orphelia hat für mich hübsch zu sein, basta. Überzeugt hat sie mich auch nicht wirklich. Später dann, als sie verrückt geworden war, das war ein Fest, die Frau hat es allen gezeigt. Mit ihren Liedern, die sie gesungen hat, das hat einem glatt eine Gänsehaut über den Rücken gejagt. Uund die Kostüme waren schrecklich; es waren gar keine Kostüme, es waren bloss so Alltagsklamotten, eigentlich, trotzdem trug dann plötzlich einer wieder einen altmodischen Anzug und die Königin eine Art Mieder; die vier Hamlets waren gut, alle mit Jeans und schwarzem Hemd wirklich gleich angezogen, aber abgesehen davon schienen die Kleider nicht wirklich aufeinander abgestimmt zu sein.
Insgesamt war’s jedoch toll, vorallem bei dem Schluss, da hat musste man alles verzeihen.

Heute kam dann gegen Nachmittag Dennis zu mir, und wir gingen in’s Titty Twister. In Fulenbach. Ja, in Fulenbach gibt es ein Titty Twister. Zumindest, wenn Chilbi ist. Es ist wirklich gemütlich, eine kleine Bar in einer Art Grotte, wo kaum zwanzig Leute darin Platz haben, aber gemütlich ist’s allemal. Ich bin da also mit meinem Dennis Jacky-Cola schlürfend im Titty Twister gesessen und habe mir mit ihm über Gott und die Welt gequatscht. Ich liebe es, mit ihm zu plaudern. Es gibt nichts schöneres. Überhaupt gibt es nichts schöneres als mit ihm zusammen zu sein. Nein, halt, stopp, ich darf mich nicht wieder gehen lassen… Also, jedenfalls musste er um acht schon wieder gehen und jetzt sitze ich hier und schreibe diesen eigentlich total überflüssigen Blogeintrag. Dabei sollte ich eigentlich Lateinwörtchen lernen und Gitarre spielen und schlafen.

Wieso zur Hölle ist das Leben kein Spielplatz mit viel Zuckerwatte und Schwarztee!?


About this entry