Veränderung

Ich bin dabei einen Brief an Robin, meinen Exfreund zu schreiben. Es ist hart. Hat viele Gedanken ausgelöst, natürlich, so allgemein. Über Beziehungen im allgemeinen auch… Ich denk natürlich auch sofort an meinen Ozzy, frage mich, weshalb ich mich so von den Gedanken an Robin einnehmen lasse wenn ich doch ihn habe, und frage ich es mich doch auch wieder nicht, weil ich es weiss, weil ich weiss, dass eine neue Liebe die Alte nun mal nicht einfach ungeschehen macht.

Ich erinnere mich gut daran, wie ich damals über unsere Beziehung dachte. Ich dachte, es sei etwas besonderes, etwas reines, etwas selten existierendes. War es stückweit auch. Wir hatten einen extrem guten Austausch, haben über alles, aber auch aalles geredet, waren die dicksten Freunde. Wir haben täglich telefoniert und uns jedes Wochenende gesehen, obschon man das ganze als Fernbeziehung bezeichnen könnte. Und wir haben stets über unsere Spannungen gesprochen, wenn uns etwas aneinander nicht gepasst hat. Deshalb dachte ich, das sei eine Beziehung, die ewig und drei Tage dauern könnte. Falsch gedacht. Es hat etwa fünf Monate gedauert. Über die Grunde der Trennung schreibe ich nicht nochmal, das würde zu abstrus.
Nun bin ich seit acht Monaten mit Ozzy zusammen. Es ist total anders. Ganz richtig verdammt anders. Es herrscht keine dicke-Freunde-Stimmung, auch wenn eine grosse und unbestreitbare Vertrautheit da ist, schon immer da war. Die Umstände unseres Kennelernens waren auch nicht die, die man als ideal für eine langanhaltende Beziehung nennen würde (zusammengefasst: Ein Fest, er besoffen, ich heiter, wir mochten einander, kamen zusammen und blieben es). Wir sprechen nicht ständig über Probleme. Anfangs taten wir es gar nicht, nun schon, wenn es sich ergibt, wenn das Bedürfnis da ist, wenn Probleme da sind. Aber wir haben auch irgendwie kaum noch Probleme. Und wenn, sind sie selten wirklich wichtig bzw. wir nehmen sie nicht mehr so wichtig. Wir haben keine Spannungen untereinander. Wir haben keine Probleme miteinander. Wir sind immer ungezwungen einander gegenüber. Wir sind glücklich miteinander. Wir sind allgemein glücklicher, seit wir zusammen sind. Es ist alles unkompliziert und machbar. Aber es ist nicht rosa Sonnenbrille, es ist durchaus real und realistisch. Es ist auch nicht ansonsten blind und stumpf, durchaus bewusst, nur distanzierter.

Ich dachte stets, reger Austausch sei das Rezept für die perfekte Beziehung. Offensichtlich ist das naiver Blödsinn. Austausch ist wichtig, aber im richtigen Mass. Man muss nicht jeden Furz miteinander teilen. Man muss es dem anderen nicht immer sofort erzählen, wenn man sich mal ein bisschen über ihn ärgert. Aber man muss es richtig machen wenn es drauf ankommt. Man muss erkennen was wichtig ist und was nicht um die Beziehung weder durch zu viel Schrott zu strapazieren noch durch Schweigen und die dadurch entstehenden Spannungen zu belasten.

Ich wollte eigentlich auf etwas ganz anderes raus… Unwichtig, ich schreib ein ander mal wieder. Wünsche gute Nacht.


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